Akademischer-Seglerverein in München
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Seereise Kanaren 2007

Reisezeit : 10.02.-26.02.2007

Crew : BbBb Henniger, Hartwich, Künkel und Schultheiss

Schiff : "Milonga" vom ASV Hannover

 

 

Nach einem für unsere Mitreisenden sicherlich unvergesslichen Flug erreichten wir gegen 16 Uhr Ortszeit Teneriffa, bestiegen den Bus Richtung Hafen Los Cristianos, wo wir, nachdem wir uns am nicht empfehlenswerten einheimischen Bier gelabt hatten, mit einer Schnellfähre der allgegenwärtigen norwegischen Fred-Olsen-Linie nach La Gomera übersetzten.

 

Schon hier war eine ordentliche Dünung zu verspüren, vor allem stehend an der schiffseigenen Bar mit einem Bier in der Hand. Später am Abend landeten wir in La Gomera an, wo uns Peter „Onno“ Onners vom Hannoveraner ASV schon am Kai empfing und mit uns zusammen auf der „Milonga“, unserer Heimat für die nächsten 2 Wochen, zu Abend aß.

 

Am nächsten Tag ging der eine Teil der Crew in die Stadt, um dringend benötigte Dinge wie Wasser und Bier einzukaufen, während der andere Teil von „Onno“ eingewiesen wurde. Am Nachmittag verabschiedeten wir uns von ihm und legten bald darauf ab. Nach ein paar Übungsmanövern unter Motor(Mann über Bord, Rückwärtsfahrt) setzten wir Segel und verließen engültig die Küste La Gomeras mit dem Ziel El Hierro, eine karge, vom Tourismus noch gänzlich unberührte Insel und ehedem die letzte Station vor der beschwerlichen Überfahrt nach Amerika. Und während dieses Schlags geschah das Unvermeidliche : Essen rin, Essen raus. Seekrank! Gott sei Dank konnten wir uns im Hafen Hierros davon erholen, ehe es Richtung La Palma ging. Da wir nun seefest waren, war es uns auch endlich möglich, die Kochkünste unseres Smutjes Gerd in Anspruch zu nehmen, welcher uns im Laufe unserer Reise noch manch feines Mahl kredenzen würde.

 

La Palma, eine einzigartige und sehr grüne Insel, emping uns mit einem recht schönen „Club Nautico“, der, was auf den Kanaren keineswegs eine Selbstverständlichkeit zu sein scheint, sogar über warme Duschen verfügte. Dort kauften wir ordentlich ein, was unsere Nachbarn sichtlich verwunderte und ernsthafte Fragen aufkamen, ob wir denn nach Amerika wollten. Nachdem wir uns abends noch die hübsche Altstadt angesehen hatten, schliefen wir aus Mangel an Alternativen richtig aus und setzten unsere Reise schließlich am darauf folgenden Nachmittag fort.

 

Die Überfahrt dauerte, da wir Teneriffa gänzlich umsegelten, zwei volle Tage. Während dieser Zeit erlebten wir von Flaute bis Starkwind alles und konnten auch dementsprechend trimmen. So installierten wir beispielsweise die Notpinne, mit der es aber auch eine wahre Not war, zu segeln. Am frühen Morgen liefen wir dann ein, schliefen aus, tankten und machten daraufhin Klarschiff. Während dessen wurden von der Bevölkerung alle notwendigen Vorbereitungen zur ausschweifenden Karnevalsparty getroffen. Wir beteiligten uns dann ab Mittag vor allem an den flüssigen Vorbereitungen – wir hatten ja seit Gomera nichts getrunken - und starteten extrem ausgelassen in den wirklich bemerkenswert lustigen Abend, an dem aus echter Seebärenlaune heraus der Rum strikt pur genossen wurde.

 

Das das ein schlauer Zug war, erwies sich am nächsten Tage, als wir alle recht fit aus den Kojen fanden und nachmittags mit Ziel Fuerteventura ablegten. Denn trotz hoher Dünung und starken Winden von bis zu 35 Knoten Geschwindigkeit stellten sich keine Magenprobleme ein, und so konnten wir ungetrübt das Schiff bis an die Grenze bringen, am Ende peitschten wir es im dritten Reff mit der kleinen Genua durch die aufgewühlte See.

 

Erschöpft aber glücklich erreichten wir den Hafen von Morro Jable auf Fuerteventura, in dem wir – nachdem wir den Sonnenaufgang mit auf- und abfahren abgewartet hatten - unter Segeln anlegten, da eine Schot in die Schraube gekommen war. Froschmann-Gerd löste das Problem, und den Rest des Tages verbrachten wir im hübschen Hafen, aßen gut und genossen die Sitte der Siesta.

 

Doch wir wollten den Einheimischen darin keine Konkurrenz machen und legten am nächsten Morgen Richtung Osten ab und durften abermals einen wunderschönen Segeltag mit kräftigem Wind und Sonnenschein erleben während zeitweise sogar Delfine unseren Weg begleiteten. Als jedoch der Abend hereinbrach, beschlossen wir in einer geschützen Bucht zu ankern. Gerd und Christian fuhren an Land, wo sie auch durch unglückliche Umstände blieben. Sie machten es sich auf dem Trampolin eines Katamarans unter einer verdreckten Plane gemütlich, und schliefen unterstützt von feinem Rum ein. Am nächsten Morgen musste dann eine kleine Schwimmaktion zum Boot durchgeführt werden, wonach wir diesen gastlichen Flecken Erde möglichst schnell verließen.

 

Im nächsten Hafen legten wir dann auch erschöpft gleich wieder an, denn auch die Restcrew hatte die Nacht durch den slippenden Anker eher schlecht als recht geschlafen. Wir blieben noch eine Nacht, um uns von den Strapazen zu erholen, und legten dann Richtung Gran Canaria ab. Auf diesem Teilstück lernte ein Teil der Crew dann seemännisches Handwerk, so wurde unter Anleitung ein Lifebelt gefertigt während sich manche mal wieder den seemännischen Knoten widmen durften, gemäß dem Spruch „ein Tritt in den Hintern ist auch ein Schritt nach vorn“ klappte es schließlich auch einigermaßen.

 

Wir erreichten Gran Canaria im Morgengrauen des folgenden Tages. Da unser Zielhafen voll war, mussten wir nach Puerto Rico ausweichen, einer betongewordenen Hässlichkeit von Ferienort, an dessen künstlichem Strand sich hitzestöhnend Fleischberge aus Nordeuropa wälzten. Wir blieben einstweilen, legten uns genüsslich dazu und begossen das Ambiente. Leider gab es in diesem Ort kein warmes Wasser, so dass die Dusche kein Spaß, sondern bloße Notwendigkeit war.

 

Den obligatorischen Sundowner in der Hand fuhren wir schließlich wohlgemut nach Teneriffa, wo uns allerdings kein Hafen offenstand, so dass wir zähneknirschend direkt nach La Gomera übersetzten, wo wir uns dann auch gleich ins dörfliche Nachtleben stürzten. Als wir am nächsten Morgen gerädert um halb sieben zur Fähre wankten verfluchten wir es bitterlich, waren die Spanier doch immer noch lautstark am Feiern...

 

Da unser Flug erst Montag nachmittag ging, nahmen wir uns noch einen Mietwagen, um Teneriffa, insbesondere die beeindruckende Hochebene um den Teide sowie das Observatorium zu besuchen. Auf der anderen Seite der Insel genossen wir schließlich als würdigen Abschluss einer schönen und erlebnisreichen Seereise ein sehr feines Captainsdinner – vielen Dank dafür an unseren Skipper Hennes! – im „El Monasterio“ oberhalb von Puerto de la Cruz.

 

Nach einer erholsamen Nacht im Auto und dem verhältnismäßig langen Flug kamen wir am darauffolgenden Tag schließlich in München an, welches uns mit schönstem Februarwetter, naßkalt und regnerisch, empfing.