Akademischer-Seglerverein in München
HomeKontaktImpressumSitemapLogin/Logout nicht angemeldet

Göteborg - Kopenhagen - Rostock

Reisezeit: 14. - 23. August 2007

Crew: BbBb Lohlein IV, Schrimpf, Sawitzki, Endt

Schiff: "Auriga", techn. Daten: Dehler 39 cws, Länge 12,10 m;

Breite 3,80 m; Tiefgang 1,95 m; Segelfläche 72 m²; 5,9 t

Distanz: 300 sm, davon 10 sm unter Motor

 

14.08.2007: Anreise nach Göteborg

Heute ist der Tag der Anreise mit Air Berlin über Berlin nach Göteborg. Das Essen im Flieger ist mäßig, unsere Vorfreude wird davon aber genauso wenig getrübt wie von der latent noch vorhandenen Müdigkeit vom Vorabend. Am Abend treffen wir uns mit BbBb Schultheiss und Volkwein (a.k.a. Zewa und VW), die gerade von einer einwöchigen Seereise mit AH Max I Lohlein I zurückgekommen sind.

Die Auriga liegt in Langedrag, wegen der späten Ankunft übernachten BbBb Sawitzki und Endt im Hotel Opera, mitten in Göteborg. Gerade findet ein Festival in der Stadt statt, für Alkohol wurde im duty-free-shop gesorgt, die erste Schwedin hat uns schon am Flughafen angesprochen. Der Abend verspricht also lustig zu werden…

15.08.2007: Langedrag

Nach dem Aufstehen machen wir uns auf zur Auriga in Langedrag. Dort angekommen beginnen wir sofort mit dem Bunkern von Lebensmitteln und Getränken. Um 15 Uhr kommen AHAH Schrimpf und Lohlein IV im Hafen an. Die ursprünglich geplante Tagesetappe Göteborg – Marstadt wird wegen der schlechten Sicht durch einen Hafentag ersetzt. VW und Zewa finden das nur praktisch, da sie sich kein Hotel suchen müssen und ihre Kenntnisse im Biercomment ausbauen können. Die Folgen am nächsten Morgen halten sich in Grenzen, da das hiesige „Öl“ mit 3,5 Umdrehungen sich nicht gnadenlos rächt. Dennoch bleibt dem einen oder anderen BbBb der gesellige Abend in guter Erinnerung, da schon die schiere Menge eine Herausforderung für den Magen ist.

 

16.08.2007: Langedrag – Marstrand

Heute ist es endlich so weit. Wir klarieren das Boot, bunkern nochmal Frischwasser und los gehts. Zunächst mit der Aussicht auf schlechtes Wetter, das dann auch kurz nach dem Auslaufen in Form einer Regenfront auf uns zukommt. Trotzdem drehen wir einige Kringel und fahren uns auf das Boot ein. Safety first. Als Belohnung kommt kurz darauf die Sonne wieder durch.

Mit 5-6 Bft geht es dann in 3 ½ h die 23 sm nach Marstadt. Ein wunderbarer Segeltag. In Marstrand entrichten wir die „Hamn“-Gebühr nicht wie gewohnt beim Hafenmeister, sondern bei einem Bezahlautomaten, der den Hafenmeister mehr oder minder ersetzt. Nach einem kleinen Spaziergang durch den Ort, dem Bunkern von Lebensmitteln und dem übermäßigen Genuß von Chilli-con-Carne, klingt der Tag gemütlich mit der einen oder anderen Partie Schafkopf aus.

17.08.2007: Marstrand – Varberg

Als wir morgens aufwachen, bläst es ordentlich. 7-8 Bft, also erstmal stärken: Vier Mann, zwölf Eier, ein Pfund Speck. Frühstück für Champions.

Wir sind froh, als wir den Hafen sicher verlassen haben. Der Albretsundskanal mit 25 Metern Breite liegt weitgehend im Windschatten. Der Schatten des Mastes wandert auf den Felsen direkt neben dem Schiff her. Ein echtes Erlebnis!

Als wir die Landabdeckung hinter uns lassen, bestätigt sich die Windstärke, viele Schweden kommen uns auf dem Weg zur Regatta rund um Tjörn entgegen.

Schließlich befinden wir uns im Kattegatt. Sofort nimmt die Dünung zu, der Seegang wird ruppiger. Die kurze Ostseewelle macht unseren Mägen zu schaffen. AH Schrimpf demonstriert im Rahmen der seglerischen Ausbildung das HaN-Manöver (Huldigen an Neptun) als adäquate Gegenmaßnahme. BbBb Sawitzki und Endt kommen dem ohne - oder nur mit kurzem - Zögern nach. Allein AH Lohlein IV bleibt einen geziemenden Streifen schuldig, sodass XX Sawitzki als Vertreter des Seniors ein weiteres Mal huldigen muß, um den Meeresgott wohlgesonnen zu stimmen. Gegen 23.00 Uhr laufen wir in Varberg ein, Zahl des Tages: 70 sm, davon zwei unter Motor.

18.08.2007: Varberg – Helsingor

Morgens kurz gefrühstückt und einen langen Schlag gemacht. 75 sm durch Wasser, 3,4 davon unter Motor. Keine besonderen Ereignisse.

19.08.2007: Helsingor – Kopenhagen

Heute erstmal ausschlafen. XX bis 6:30 Uhr, AHAH Lohlein und Schrimpf bis 8:00 Uhr, FM bis 9:30 Uhr. Danach gibt es Frühstück auf dänisch. Nach der Besichtigung des „Hamlet-Schlosses“ (Schloss Kronborg) und der Traditionssegler-Schau „Baltic-Sail“, wo auch eine Regatta von Modellbau-Segelyachten zu bewundern war, laufen wir aus. Dabei stellen wir fest, daß die Dänen das Segeln jedenfalls nicht erfunden haben: Mit killender Fock, halb gesetztem Groß und laufendem Außenborder dreht vor der Hafenausfahrt von Helsingor ein unter dänischer Flagge laufendes Boot einen Kringel nach dem anderen. Nach einiger Zeit bemerkt dann der Mann an Bord, daß seine Frau den Motor losgelassen hat und dieser querab steht, was zu den Kreiseln führt. Einmal mit Profis...

Im weiteren Tagesverlauf schwächt der Wind etwas ab, trotzdem können wir noch mit 4 Knoten gen Süden kreuzen. Die Einfahrt nach Kopenhagen gestaltet sich unter dem großen Verkehrsaufkommen (vor allem einige Kreuzfahrtschiffe legen gerade ab) sehr interessant. Wir entscheiden uns für den Christianshavn, der ein wenig an Amsterdams Grachten erinnert. Just im Kanal bemerken wir Probleme mit der Maschine – sie reagiert weder vor- noch achteraus – haben aber zum Glück kaum Fahrt und können uns in eine freie Box verholen.

20.08.2007: Aufenthalt in Kopenhagen

Im Christianshavn wachen wir auf. Nach dem Frühstück nutzen wir die Zeit für eine Stadtbesichtigung, bevor am Nachmittag der Mechaniker von Volvo vorbeikommt: Der Fehler sei nicht ohne weiteres zu beheben, die Auriga müsse dafür aus dem Wasser. In Rostock soll das Ding doch ohnehin aus dem Wasser raus. Lohnt sich das? Hält die Schraube? XX taucht das Schiff ab: Die Schraube kann man zwar nicht feststellen, das Faltpatent ist aber so konstruiert, daß sich die Schraube im Segelbetrieb trotzdem nicht öffnet. Quintessenz: Morgen wird eben nur gesegelt. Dafür stärken wir uns nochmal ausgiebig, allerdings ohne Knoblauch, da wir noch in den Ausgang wollen. Im Vergleich zu Schweden sind in Dänemark leider erhebliche Abstriche zu machen, wir hoffen aber auf den Einbruch der Dunkelheit und den einen oder anderen guten Club.

21.08.2007: Kopenhagen –

Nach dem einen oder anderen Bier gestern Abend stellen wir uns heute der Herausforderung, nach Rostock zu segeln. Geplant ist ein Zwischenstop auf halber Strecke, in einem Hafen, in den wir auch unter Segeln einlaufen können. Nach einem Schleppmanöver - ein niederländischer Segler hat uns mit „Binärgasantrieb“ (0 oder 1 Gas) aus dem Christianshavn geschleppt - segeln wir die restliche Strecke aus dem Hafen heraus.

Kaum haben wir die Landabdeckung Kopenhagens verlassen, frischt der Wind merklich auf. Zum Abend hin erreichen wir konstante 7 Bft mit 1,5 m Welle. Damit ist der Plan, in einem Hafen die Nacht zu verbringen, gestorben, da wir bei diesen Wetterbedingungen ohne Motor keinen Hafen anlaufen können. Also bleibt nur die Weiterfahrt durch die Nacht nach Rostock, nicht jedoch ohne daß XX nochmals dem Meeresgott huldigt. Gedanken wie „schlimmste Nacht meines Lebens“ und „nie wieder segeln“ sind ihm jetzt nicht fremd.

22.08.2007: – Rostock

Eine ruhige Nacht sieht anders aus. Der Wind frischt zunächst nochmal auf, erst gegen 1 Uhr flaut er dann langsam, aber stetig ab. Zusätzlich macht uns Nebel zu schaffen. Alles ist Klamm, und vorbeifahrende Schiffe sind nur durch bedrohlich wirkende Schallsignale zu bemerken. Von Positionslichtern keine Spur, die Sichtweite beträgt 1/8 sm.

Um 8 Uhr herrscht entgültig Flaute. Wir stehen eine halbe Seemeile vor der Hafeneinfahrt von Rostock und kommen weder vor noch zurück. Schließlich Paddeln wir mit einiger Anstrengung aus dem Fahrwasser. Leider dauert es von da ab noch sechs Glasen, bis der Bootsverwalter kommt und uns schleppt. Nach der Endreinigung der Auriga und ausgiebig Schlaf besichtigen wir das schöne Rostock und seine Bars. Die AHAH ziehen sich gegen eins zurück, während die Aktiven noch eine Studentenparty ausfindig und unsicher machen.

Die Rückfahrt nach München per Mietwagen verläuft ruhig und ereignislos, und für alle (außer dem Fahrer) im Halbschlaf. Was haben wir in den letzten Tagen gelernt? Radar an Bord kann nützlich sein. Und alle Gerüchte über Schweden sind wahr. Hoffentlich bald wieder.

 

Schöne Seereise ex!

 

Endt und Sawitzki