Akademischer-Seglerverein in München
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Ausbildungsseereise Balearen Oktober 2009

Schiffer:
Hennes Henniger
WaFü:
Gerhard Hartwich, Michael Meyer
Crew:
Clemens Krauss III, Sebastian Stöcklmeier, Chris Kronschnabl , Adam Probst, Thomas Jähnel (Gast)
Schiff:
SY Enna (Oceanis 43)
Gefahrene Strecke
288 sm

Tag 1; 23.10.09; Schiffsübername in Palma de Mallorca (Muelle de la Lonja), Verpflegung bunkern und Sicherheitseinweisung

In der zweiten Woche nach Semesterstart begaben sich 7 hochmotivierte ASVer nach Palma de Mallorca, um eine 10-tägige Ausbildungsseereise anzutreten. Unser Condor hob am 23.10 um sechs Uhr morgens in München ab, was gleich die ersten Probleme mit sich brachte. In einem sehr breiten Zeitfenster von 1:00 bis 4:30 Uhr gibt es keine S-Bahnverbindung zum Flughafen. Bernd Leppla bot uns Füxen großzügig an, bei ihm zu übernachten und uns um 4:00 mit dem Auto an den Flughafen zu bringen. Am Gate hat sich dann unsere ganze ASV-Crew zusammengefunden, sodass sie den Flieger gemeinsam betreten konnte. Während des zweistündigen Fluges konnte so mancher seine verkürzte Nacht nachholen. Angekommen in Palma verließen wir den klimatisierten Bereich und mussten gleich einige Kleidungsstücke ablegen. Zu diesem Zeitpunkt hatte es schon 22 °C im Vergleich zu einem Zehntel in der Heimat. Wir stiegen in den Linienbus Richtung Hafen und erklärten dem Busfahrer unser Ziel, das Pier 46. Als er uns dann aber nach einer halben Stunde vor der AidaBELLA aussteigen hat lassen, war klar, dass er uns wohl falsch verstanden haben muss. Somit  blieb uns nichts anderes übrig, als der Fußmarsch mit all dem Gepäck an der Promenade entlang. Der Vercharterer VIVA am Pier 46 übergab uns um halb zwölf die Beneteau Oceanis 43 mit dem schönen Namen ENNA. Wir machten uns mit der Yacht vertraut, prüften die elektrische Anlage, sowie die Tankfüllstände und gingen weiter die Checkliste durch. Nach dem Kojenbezug gab uns der Schiffer AH Henniger allgemeine Hinweise, wie Abläufe an Bord und Sicherheitshinweise zur Seefahrt. Daraufhin haben alle den Toilettenpumpführer mit Bravur abgelegt. Immerhin war es für die Füxe Stöcklmeier und Probst die erste Seereise. Deshalb wurden auch die Wachen so eingeteilt, dass die erfahrenen ASVer mit den Unerfahrenen beisammen waren. Jetzt war es an der Zeit die Yacht mit Lebensmitteln bis oben hin zu füllen. Hierzu suchten wir per pedes einen geeigneten Supermarkt, der uns alles -mangels Mietwagen- auch liefern kann. Nach der darauffolgenden Erkundung Palmas kehrten wir um 16:00 endlich auf ENNA zurück und konnten völlig erschöpft in den Kojen testliegen. Es störte uns nur die Lieferung der vier übervollen Einkaufswägen zwei Stunden später, die uns auch zum einladen und bunkern zwang. Der 15 Kilo Schinken fand seinen Platz an einem Griff der Luke in der Kombüse und hat uns somit beim Vorbeilaufen immer angelacht. Der ganze Tag in Aktion hatte einen unglaublichen Hunger zur Folge. Am Abend hat unser Chefkoch Gerhard Hartwich die Küche eingeweiht und uns - wie die ganze Woche - köstlich und reichlich versorgt. Nach ein paar Stunden Routenbesprechung für die anstehende Reise und gemütlichem Beisammensein ging die Nacht früh zu Ende.

Tag 2; 24.10.09; Palma -> Cabrera; NW 3; 33 sm

Heute war das Ablegen für 9:00 angesetzt. Wir verließen den Hafen Palma unter Motor und konnten jenseits der Hafenmauer bei 2-3 Beaufort das Vollzeug setzen. Das Tagesziel war die Insel Cabrera in 33 nm Entfernung - südlich von Mallorca. Hier konnten wir zum ersten Mal unsere Navigationsausbildung der Sportbootführerscheine auf dem offenen Meer gebrauchen und verfeinern. Mit höchstens 5 Knoten schafften wir den Weg in langen siebeneinhalb Stunden. Allerdings konnten wir die sonnigen 30°C den ganzen Tag in Badehose bei guter Musik auf dem Deck genießen. In Cabrera fuhren wir unter Motor in eine Bucht und ankerten. Jetzt hatten wir die erste Möglichkeit, wohlverdient ins Wasser zu springen. Nach ein paar Bahnen fuhren wir mit dem Beiboot zum Hafen und gingen uns an Land die Beine vertreten und einen Turm auf dem Hügel genauer ansehen. Unser Chefkoch hat während dessen mit zweien seiner "Jogis" Schnitzel vorbereitet. Das Essen wurde zelebriert! Allerdings schien Bundesbruder "Jemand" mit der Allgemeinsituation nicht zufrieden gewesen zu sein, was sich in den Worten "Wir brechen jetzt auf nach Ibiza" widerspiegelte.

Tag 3/4; 24/25.10.09; Cabrera -> Ibiza Ensanda de la Caual; N 1-2; 80 sm

So verließen wir die Bucht um 22:16 unter Motor. Bis etwa 1:00 kamen wir bei 2 Beaufort recht gut voran. Als aber dann der Wind ausblieb und die Logge eine gute Stunde lang bei 0 - 0.3 Knoten pendelte, starteten wir die Maschine. Anders hätten wir die 70 nm in dieser Nacht wohl nicht geschafft. Am nächsten Morgen stand auf Grund der anhaltenden Flaute die Ausbildung unter Motor im Vordergrund. Jeder hatte so oft das Kommando bzw. das Steuer wie es nötig war, um die unangekündigten Boje-über-Bord Manöver fehlerfrei und souverän zu absolvieren. Weitere Übungen waren Rückwärtsfahren, Drehen auf dem Teller und der Versuch mit Hilfe des Bugstrahlruders quer zu fahren, was sich ohne Übung allerdings als sehr schwierig herausstellte. Nach einer guten Stunde Übung führte uns der ständig neu eingeteilte Navigator nach Ensenada de la Canal an der Südküste Ibizas. Immer noch unter Motor bei spiegelglattem Wasser. Hoffnung auf mehr Wind konnten uns auch die fast täglich geschickten SMS mit den aktuellen Wettervorhersagen von AH Börries nicht geben. Zudem waren wir von ihm auch stets über alle Fußballergebnisse informiert! Vielen Dank an dieser Stelle für diesen vorbildlichen Service. Nach dem Ankermanöver konnten wir uns dort durch einen Landgang ein Bild vom Partystrand – leider nur im Sommer hoch frequentiert – und einem Salzsee machen. Seitdem nannten wir auch einen herrenlosen Fußball unser Eigen. Zurück auf dem Boot gab es einen kleinen Cocktailumtrunk, um die Wartezeit auf Linsensuppe zu verkürzen. An diesem Abend war es auch langsam an der Zeit sich der Schinkenpflege zu widmen, da jener schon etwas zerfleddert aussah.

Tag 5; 26.10.09; Ensanda de la Caual -> Ibiza Jle de Tagomago; S 2; 18 sm

Tags darauf übernahmen die Füxe die Navigation nach Tagomago, einer kleinen Insel nord-östlich von Ibiza. Auf dem Weg dorthin konnten wir endlich wieder Vollzeug setzen und ohne Motorlärm vorankommen. Mit sehr vielen Navigationskontrollen und gegebenenfalls Korrekturen fuhren wir die Ostküste, vorbei an Ibiza-Stadt, gen Norden. Bei gut zwei Windstärken trainierte jeder Manöverkreise über Back- und Steuerbord. In der Bucht unserer Zielinsel legte jeder unter Motor an der Tonne an und ab und testete seine Fähigkeiten den Anker fest im Boden zu verhaken. Nach Stunden reiner Ausbildung an diesem Tag ließen wir uns für die Nacht in dieser Bucht nieder. Bei einem unglaublichen Sonnenuntergang genossen einige wohl einen Sundowner zu viel, was garantierte, nicht mehr abzulegen.

Tag 6; 27.10.09; Ibiza -> Mallorca San Telmo; umlaufend 0; 49 sm

Dank der guten Basis von Krautwickerln an diesem Abend konnten alle am nächsten Morgen voll einsatzbereit zurück nach Mallorca starten. Bei konstanten 1017 hPa gab es leider wieder keinen ordentlichen Wind. Dies hatte 8 Stunden Motorbetrieb zur Folge um das knapp 50 nm entfernte San Telmo an der Westküste noch in dieser Woche zu erreichen. Hierzu durften die Füxe wieder navigieren und ans Steuer. Uns begegneten riesige Container- und Kreuzfahrtschiffe, welchen es galt weiträumig auszuweichen. Die übrige Zeit konnten wir sehr gut nutzen, um unserem Lieblingstier, dem Schinken Pflege zu gönnen, die YACHT zu lesen oder die Routenplanung für die nächsten Tage zu diskutieren. Vor San Telmo gingen wir vor Anker. Dort beobachteten wir Familie „Superreich“ auf der Motoryacht neben uns, während deren Kinder mit Wasserskiern um uns herumfuhren. Dies störte uns aber nicht -nach ASV Manier- das wohl dreckigste Spülwasser über Bord zu schütten und laute Musik zu hören. Nach der Körperpflege im Meer, die sogar etwas mit Shampoo zu tun hatte, wurden die Jüngsten an Land geschickt, um die Vorräte aufzufrischen. 100 €, wovon nur etwa die Hälfte für Lebensmittel waren, ließen sie an Land. Nach der Stärkung hat uns um 19:30 der Ehrgeiz wieder gepackt und wir setzten uns das Ziel Puerto de Sóller 30 nm nördlich an der Küste.

Tag 7; 27./28.10.09; San Telmo -> Puerto del Soller; E 0-1; 31 sm

Nach dem Ablegemanöver unter Motor mussten wir in dunkelster Nacht Untiefen umfahren, bevor wir dann die Segel setzen konnten. Die Logge zeigte max. einen zu verzweifelnden Knoten. Aber schon nach dem dritten Mal Koordinaten notieren zeigte sich aufgrund der gefahrenen Strecke, dass wir 2 Knoten Strömung von achtern bekommen hatten. Erst als die Logge längere Zeit 0.0 Knoten anzeigte verloren wir die Nerven und schmissen um 05:21 den 50-PS-Schiffsdiesel an. Nach gut 2 Stunden unter Segeln kam wieder etwas Wind auf, weswegen wir das Ziel weiter in den Norden nach Cala Tuent verlegten. Nach weiteren 2 Stunden Fahrt um 9:00 ankerten wir dort und frühstückten Thunfisch mit Knoblauch oder auch Essigsalat. Nach einer kleinen Ruhepause gab AH Henniger Fux Probst den Befehl uns 5nm nach Torrent de Parlos zu bringen. Ablegen unter Motor, raus aus der Bucht, Setzen der Segel. Der Wind flaute wieder ab und gab dem Motor die alleinige Aufgabe des Vortriebs. Der Fux hielt es nicht für nötig einen Navigator einzusetzen, weil er dachte die „übernächste Bucht“ auch durch die Bilder im Führer erkennen zu können. Die Bucht war nicht paradiesisch wie im Buch, was zur Folge hatte, dass wir vorbeigefahren sind und umdrehen mussten. Am Ziel gingen wir wieder vor Anker. Dann führte uns die Neugier, das Dorf zu erkunden. Zurück auch dem Boot haben wir überschlagen, welche Lebensmittel bisher am längsten gebunkert wurden. Das Ergebnis waren die 50 Eier, die wir am ersten Tag in Palma gekauft haben und mittlerweile seit 200 nm bei guten 25°C mit uns herumfuhren. Ein bisschen stutzig wurden wir dann schon, als Chefkoch Hartwich das Eiweiß für den Kaiserschmarrn schlug. Es roch nicht wirklich nach Eiern, die gerade erst von glücklichen Hühnern gelegt worden waren. Aber man konnte den Schmarrn essen und musste nicht lange Zeit –zumindest nicht länger als sonst- das Bord-WC besetzen. Plenus venter, non studet libernter und deshalb genossen wir den Rest des sonnigen windarmen Tages in der Bucht mit Blick auf die schöne Promenade, die steile Küstenlinie und den Kiesstrand. Um 15:16 brachen wir in Richtung Puerto de Sóller auf. Dort angekommen füllten wir unseren Kraftstofftank auf und übten über eine Stunde das An- und Ablegen an der Tankstellenhafenmauer. Der ein oder andere sehnte sich danach, das Shampoo unter Süßwasser zu benutzen. Somit haben wir uns in selbigem Hafen um 18:00 am Steg einer Marina festgemacht. Nach 6 Tagen betraten wir am Abend das erste Mal gemeinsam die Insel und genossen den Service und die Hygiene eines Restaurants. Auf dem Rückweg konnten wir unsere Biervorräte auffrischen. Auf Grund der ausbleibenden verantwortungsvollen Ankerwache wurde die Zeit anders genutzt, was unseren deutschen Nachbarn um 5:00 Uhr wohl nicht so gefallen hat wie uns. Dies haben Sie auch mit ihrem frühzeitigem Ablegen bewiesen. Als dann die Fischer im Morgengrauen hinaus auf See gefahren sind, gönnten wir und die Nachtruhe ohne Wellengeschaukel.

Tag 8; 29./30.10.09; Soller -> Palma; W 3 später umlaufend 0; 77 sm

Der folgende Tag begann mit Kaffe und einer kalten Süßwasserdusche. Um 11:40 waren wir bereit für die Wiederholung der gestrigen Hafenmanöver, jedoch mit 10 kn Windgeschwindigkeit wie uns der „Nudlomat“ verriet. Es gestaltete sich deutlich schwieriger mit dieser Abdrift und noch ein paar Hangover-Bieren an der Tankstellenmauer zu manövrieren. Der Wind zog uns hinaus, und tatsächlich, es war konstanter 3er Wind. Endlich hat sich der träge Bomber merkbar gekränkt. Mit bis zu 7 Knoten FdW konnten wir uns vorwärts bewegen. Sogar unserem Lieblingstier schien es zu gefallen, weil es anfing wie wild in der Kombüse zu tanzen. Das Ziel war die Hauptstadt der Balearen. Wir kreuzten gegen Wind und Strom Richtung Ziel. Dabei konnten wir wieder einen unglaublichen Sonnenuntergang mit orangefarbenem Licht erleben. Die wohl letzte Nachtwache auf See gestaltete sich bei den Neulingen im Vergleich zu den ersten sehr routiniert. Zu dieser Routine gehörte auch das Starten des Motors, denn um 1:30 wurde er wieder gebraucht, als ENNA mangels Ruderanströmung nicht mehr reagierte. Nach einiger Zeit konnten wir dann aber die Segel wieder setzen und uns stolz dem Hafen von Palma in Sichtweite nähern. Eine Segelyacht von Greenpeace hat uns kurz davor schäbiger Weise unter Motor überholt. Im Hafenbereich haben wir wieder eine Lehrstunde eingelegt und bei Seitenwind achtern an der Hafenmauer angelegt. Jeder so oft, bis der Kommissionsschiffer Henniger nichts mehr zu beanstanden hatte. Um 12:30 haben wir uns wieder beim Vercharterer VIVA festgemacht und unser Boot für die tags darauf folgende Übergabe klariert und geputzt. Nachmittags haben wir alle Vorräte zusammengeklaubt und daraus ein letztes Mal ein Festmahl gezaubert. Die 3 Knoblauchknollen und unser liebgewonnener Schinken mussten wohl oder übel auch mit in den Topf. Dann waren auch noch ein paar Spirituosen vorhanden, die wir nicht wegwerfen wollten. Auch erschöpft vom über 24-stündigen Trip fielen fast alle direkt in die Koje.

Tag 9; 31.10.09; Palma; Schiff aufklären und Übergabe

Die Bootsübergabe am nächsten Tag brachte keine Probleme oder Beanstandungen seitens VIVA mit sich. Wir verließen das Schiff am Samstag und organisierten eine kleine Pension in Palma. Dort konnten wir uns endlich wieder ordentlich duschen. Direkt nach Bezug der 3er-Zimmer starteten wir eine gemeinsame Stadterkundung welche in einer Fischhalle endete. Ohne die guten Spanischkenntnisse von AH Meyer wären wir in dieser Woche wohl -wie auch hier- nicht weit gekommen. Wir haben in einem Stehcafe in dieser Halle einige Teller Scampis, Muscheln und sonstigen Fisch bestellt und uns kurzfristig entschlossen, die wunderschönen Doraden zu kaufen und bei einem Bekannten eines Fuxes zu grillen. Um dort hin zu gelangen und stressfrei an den Flughafen zu kommen, haben wir uns einen 9-Sitzer gemietet.

Tag 10; 1.11.09; Erkunden der Insel insbesondere des Gebirges und Heimreise

So waren wir auch am nächsten Tag mobil und es bestand die Möglichkeit, die bergige Westküste um Sóller, die wir nur von der Wasserseite aus kannten, mit dem Auto abzufahren und zu erkunden. Ständig rekapitulierten wir die schönsten Momente der vergangenen Tage während der knapp 300 gefahrenen Seemeilen. Am Nachmittag hieß es dann Abschied nehmen von 25°C und der tollen Zeit mit einer ausgezeichneten Mannschaft. Der Flieger ging um 17:50. Bei dichtem Nebel über München waren wir eine halbe Stunde in der Warteschleife und zu guter letzt blieben 2 unserer Gepäckstücke, darunter auch das von AH Henniger mit all der teuren Ausrüstung, noch einen Tag länger am Flughafen in Palma. Aber nicht einmal das tat der anhaltenden guten Stimmung Abbruch. Wir hatten alle unglaublichen Spaß miteinander und sind durch die zahlreichen Übungen in unserer Ausbildung deutlich voran gekommen. Meine erste Seereise werde ich nie vergessen! Vielen Dank an alle Beteiligten! Adam Probst Z!