Akademischer-Seglerverein in München
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Baltic Sprint Cup 2008

Der Baltic Sprint Cup ist eine internationale Seeregatta im Ostseeraum, die sich seit dem Jahre 2005 zunehmender Beliebtheit erfreut. Dabei ist von unterschiedlichen Ausgangshäfen ein Kurs von ca. 700 bis 800 sm im Mare Balticum mit verschiedenen Zwischenstationen zu absolvieren.

1. Etappe: Travemünde - Karlskrona

216 sm, 33:05 h, Durchschnitt 6,5 kn

Als Teilnehmer in der ORC-Klasse 2, waren wir Teil der ersten Schiffe, die auf insgesamt 216 sm langen Kurs geschickt wurden. Schon kurz nach Runden der Luvtonne fingen die großen Schiffe wie "Ambersail" (ex "Assa Abloy"), die "Norddeutsche Vermögen Hamburg" oder die "Guts 'n Glory" von hinten das Feld aufzurollen - ein beeindruckender Anblick, wenn auch nicht für lange. Für uns folgten etliche Stunden Rauschefahrt bei bis zu 6 Bft. aus achterlicher Richtung, die uns zeitweise auf über 13 Knoten beschleunigten, und das bei einer theoretischen Rumpfgeschwindigkeit von 7,8 Knoten. Leider verließ uns gegen Ende der Etappe der Wind, so dass wir bei knappen 2 Beaufort schließlich den Hafen von Karlskrona aufkreuzen mussten - die ersten Yachten waren unter Spi über die Ziellinie gerauscht.

Im Ziel erfuhren wir, dass der uns ausgehändigte GPS-Tracker leider nicht funktionierte und wir daher als "lost german ship" bezeichnet wurden.

Im Surf...

AVI, 2,9 MByte

2. Etappe: Karlskrona - Klaipeda

191 sm, 38:30 h, Durchschnitt 5 kn

Das war nix! Die zweite Etappe war gekennzeichnet durch einen Start unmittelbar vor der Festung von Karlskrona, eine Startkreuz auf die Enge zwischen den Befestigungsanlagen, abflauende Winde von hinten, absolute Windstille und kräftigen Wind von vorne. Den abflauenden Wind und die Windstille konnten wir durch unsere Erfahrungen vom Ammersee gut meistern, aber in der hereinbrechenden Nacht verloren wir auch mangels Sicht auf die Konkurrenz den Anschluss. Endgültig weg war das Feld, als der Wind auf mehr als 6 Bft. auffrischte und die nicht mehr ganz neue Selbstwendefock den Foliensegeln der Konkurrenz nicht mehr länger Paroli bieten konnte. Teile der Crew (Frank Müller-Boruttau) konnten dem Schlag durchaus positive Seiten abgewinnen, während anderen (Florian Schrimpf, Philipp Lohlein) der Verlauf sichtlich Unbehagen bereitete. Für den nächsten Schlag sind nordöstliche Winde vorhergesagt, was uns zu einem neuen Spi-Schlag verhelfen sollte. Für so manche Yacht verlief auch diese Etappe wieder nass, schliesslich waren manche Schiffe noch am nächsten Tag mit einem ordentlichen Plünnenfest beschäftigt.

Flaute

AVI, 5,12 MB, 20 sek

Am Wind

AVI, 3,5 MB, 11 sek

3. Etappe: Klaipeda - Gdynia

115 sm, 14:55 h, Durchschnitt 7,7 kn

Mit einem im wahrsten Sinne des Wortes "fliegenden Crew-Wechsel" löste Basti Sigge in Klaipeda Frank Müller-Boruttau ab. Unseres Bordfotographen beraubt, werden wir uns künftig mit unseren eigenen Fotographierkünsten zufriedengeben müssen.

Der Besuch von Klaipeda durch die Flotte des Baltic Sprint Cups war als Teil des "Festivals of the Sea" geplant. In dieses Stadtfest waren eine Reihe von Veranstaltungen wie die Feier zur Preisverleihung und eine Parade der Regattacrews eingebunden.

Bei westlicheren Winden als vorhergesagt entschieden wir uns, an der Luvtonne den Blister zu setzen. Leider war das Tuch dem Regattastress nur kurzzeitig gewachsen und verlor in der Hitze des Gefechts den Kopf. Da der Wind für den Einsatz des Spinnakers zu spitz war, mussten wir uns bis zur nächsten Bahnmarke vor den russischen Hoheitsgewässern mit der Genoa I zufrieden geben. Dies hat uns mit Sicherheit einige Plätze gekostet. Unter Spinnaker konnten wir uns zwar an das Feld wieder heranarbeiten, aber die gute Platzierung war dahin. Auch wenn das Ergebnis insgesamt wenig befriedigend war, konnten wir uns doch über 9 Stunden ununterbrochenes Spifahren bei ruhiger bis leicht bewegter See durch die sternklare Nacht freuen.

Die Universitätstanzgruppe

MPG, 1,1 MB, 10 sek

Rauschefahrt

MOV, 3,1 MB, 10 sec

4. Etappe: Gdynia - Gdansk

Zusätzlich zu den bisher regelmäßig veranstalteten Langstreckenwettfahrten wurden dieses Jahr erstmalig zwei Kurzstrecken (Distanz ca. 6 sm) durchgeführt. Diese Wettfahrten sollten auch örtliche Segler ansprechen, die an den anderen Wettfahrten des Baltic Sprint Cups nicht teilnehmen können oder wollen. Ein weiterer Nebeneffekt war die Möglichkeit für die langsameren Schiffe, die Schiffe der Racer-Division in voller Fahrt aus der Nähe zu beobachten. Da alle Schiffe die gleiche Bahn benutzten, führte der Kurs teilweise zu einer nicht ungefährlichen Enge.

Ob dieser Punkt auch in Zukunft Teil des Baltic Sprint Cups sein wird, entzieht sich jedoch unserer Kenntnis - war der Wettfahrtleitung doch bis zum Ende der Veranstaltung nocht nicht klar, in welcher Weise die Ergebnisse der zwei Wettfahrten letztendlich in die Gesamtwertung eingehen sollten.

Unter Spi nach Danzig

MPG, 2,18 MB, 11 sec

5. Etappe: Gdansk - Rönne

171 sm, 42:30 h, Durchschnitt 4,0 kn

Ammerseesegeln par excellence. Der Tag begann schon so flau, dass die Wettfahrtleitung erst eine Stunde nach dem zunächst angesetzten Startzeitpunkt einen Brisenstrich ausnutzen konnte, um die Flotte über die Startlinie zu schicken. Überraschenderweise setzte sich für die nächsten Stunden tatsächlich ein segelbarer Hauch durch, der allerdings im Laufe der Nacht vollständig einschlief. Das führte zu einer hervorragenden Distanz von 4 sm in 10 Stunden... Abweichend vom Ammersee war es durch die tote Dünung allerdings nicht möglich durch Gewichtstrimm den Segeln zu einem halbwegs akzeptablen Stand zu verhelfen. Im Laufe des Vormittags konnten wir einen Zug verspüren, wie ihn uns die Wettervorhersage bereits für einige Stunden früher und in größerer Stärke versprochen hatte. Dieser nahm im Laufe des Tages langsam aber kontinuierlich bis auf ammerseetypische 2-3 Windstärken zu, die uns bei glattem Wasser mit über 7 Knoten unter Spi in Richtung Ziel schoben. Überflüssig zu erwähnen, dass wir laut unserem GPS-Tracker immer noch vor der pommerschen Küste auf bessere Zeiten warten.

Geht doch...

MOV, 6,65 MB, 22 sek

Endspurt

MPG, 2,04 MB, 11 sec

Fazit

Der Baltic Sprint Cup hat sich zur größten und bedeutendsten Langstreckenregatta im Ostseeraum entwickelt. Dieses Jahr haben mehr als 500 Segler aus 25 Nationen auf ca. 60 Schiffen in zwei Divisionen – Racer und Cruiser – und diese wiederum geteilt in zwei Klassen sechs Städte in fünf Ländern besucht und dort vor, zwischen und nach den Wettfahrten ausführlich gefeiert. Wir, das heißt eine Mannschaft nur aus Münchner ASVern, waren dabei. Wir konnten Bilder mitnehmen, die wir nicht vergessen werden. Unser erstes Ziel, auf keinen Fall letzter zu werden haben, wir erreicht. Unser zweites Ziel, in das mittlere Drittel hineinzusegeln, konnten wir nur in zwei Wettfahrten umsetzen. Den internen Vergleich zwischen den ASV- Schiffen UNIVERSITAS vom ASVzR und uns konnten zu unseren Gunsten entscheiden.

 

Für uns erstaunlich war die Tatsache, dass wir bei den Wettfahrten mit wenig Wind trotz unserer alten Fahrten-Dacronsegel – das jüngste Segel, das Großsegel, bestreitet diese Jahr seine fünfte Saison - besser abgeschnitten haben als bei Wind. Hier scheint sich die am Ammersee bei Flaute erworbene Konzentration und Ausdauer ausgezahlt zu haben. Dazu der Kommentar des Wettfahrtleiters Alan Green: „Nach meiner Meinung ist es viel schwieriger, ein Schiff bei 3 – 4 Kn zum Laufen zu bringen, als bei 30 Kn Wind in Bewegung zu halten.“

 

In der Zwischenzeit hat sich auch bei den Cruisern ein umfangreiches Sponsorsystem breit gemacht, was vielen Schiffe dieser Klasse zu Laminatsegeln verhalf. Mit diesem finanziellen Aufwand konnten wir nicht mithalten und werden wir uns diesen auch in Zukunft nicht auftun. Alles in Allem für uns eine insgesamt neue, sehr interessante Erfahrung, aber nicht unsere Segelwelt. Wir werden auch weiterhin bei schnellen Reisen auch zu weiter entfernten Zielen bleiben.

 

 

Max Lohlein & Florian Schrimpf